Wegwarte, Chichorium intibus



Solinger Kräuterkontor

Wegwarte


Chichorium intibus

Wegwarte, Chichorium intibus, Asteraceae, intubas

Hindlauf, Rattenwurz, Sonnenwirbel, Wegeleuchte, Zichorie.


Botanik:


Sparrig wird die Wegwarte genannt, die mit einer spindelförmigen, langen Wurzel im Boden verankert ist. Der daraus wachsende Stängel ist hohl, kantig, rauhaarig und wird bis zu 1m hoch auch hin und her gebogen und sparrig verästelt. Die nach oben hin lanzettlich einfach werdenden Blätter sind am unteren Ende fiederspaltig. Die ganze Pflanze verfügt über einen bitteren Milchsaft. Auffallend schön sind die meist blauen, weniger rosa und weißen Blüten, die einzeln in den Blattachsen sitzen. Sie öffnen sich nur bei Sonnenschein und sind sehr schnell verblüht. Blütezeit ist von Juli bis September. Die Wegwarte ist recht häufig in unseren Breiten an Wegrändern, Öd- und Brachland zu finden, wobei sie schweren, lehmigen Boden bevorzugt.

Sie stammt vermutlich aus dem Mittelmeerraum. Von dort wurde sie bereits in vorgeschichtlicher Zeit verschleppt. Die Wegwarte ist eine nahe Verwandte der Endivie (intybus sativus).


Verwendete Teile:


Kraut zur Blütezeit, Wurzel im Spätherbst.


Inhaltstoffe:


Wurzel bis zu 58% Inulin, Sesquiterpenlactone, Gerbstoffe, Bitterstoffe.


Heilwirkung:


Aufgrund ihrer Wirkstoffe gehört die Wegwarte zur Gruppe

„Tonikum amarum“, einem bitteren Anregungs- und Kräftigungsmittel, häufig verwendet in Verbindung mit anderen Heilpflanzen wie Pfefferminze, Kamille und Tausendgüldenkraut. bei Appetitlosigkeit hilft die Wegwarte genau so wie bei gestörtem Gallefluss und Leberstörungen, auch bei Beschwerden wie Stoffwechselstörungen, Blähungen, Völlegefühl und Kopfschmerzen.


Geschichte und Sage:


Horaz, Plinius, Dioskurides, Vergil und Ovid erwähnen die Wegwarte als Gemüse und Heilpflanze. Sie gehört auch zu den bitteren Kräutern, die beim jüdischen Passah-Fest zum gebratenen Lamm verzehrt werden, wie schon im

2. Buch Mose geschrieben wird. Im alten Germanien galt sie als Heil- und Zauberpflanze. Einen ausführlichen Bericht schreibt auch Hieronymus Bock im Jahr 1577. Linné benutzte die Wegwarte für seine berühmte Blumenuhr in Uppsala, da sie dort um ungef. 5.00 Uhr morgens die Blüten öffnete und um

10.00 Uhr wieder schloß. In einem Kriegskochbuch von 1722 wird der Hofgärtner Timme aus Arnstadt in Thüringen als Erfinder eines Kaffeegetränks aus Zichorienrüben genannt.


Kulinarisches:


Als Salatpflanze in Gestalt von Chicorée u. Radicchio rosso.

In Notzeiten als Blümchenkaffee.